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Über Kaninchen, artgerechte Haltung und Ställe

Der Vergleich Kaninchen – Hase

Eine gewisse Ähnlichkeit zwischen dem Kaninchen und dem Hasen ist nicht abzustreiten und eine Verwechslungsgefahr, zumindest auf dem ersten Blick, besteht. Beide haben lange Ohren, zumindest ähnliche Kopfform und oftmals ein braunes und weiches Fell. Es bestehen wesentliche Unterschiede und diese sind für den Halter von Bedeutung.

Wesentliche Unterschiede (Wildkaninchen – Feldhase):

  • Der Körperbau: Das Gewicht des Feldhasen beträgt etwa 4 Kg bis 7 Kg und dies bei einer Körperlänge von 50 cm bis 70 cm, seine Ohren sind etwa 12 cm lang.
  • Das Gewicht des Kaninchens beträgt etwa 1 Kg – 3 Kg und dies bei einer Länge von 25 cm – 40 cm, die Ohren sind etwa 7 cm lang.
  • Chromosomen: Die Chromosomen-Zahl beim Hasen beträgt 48 und beim Kaninchen 44 – damit ist eine Paarung/Zucht zwischen den Gattungen nicht möglich.
  • Trächtigkeitsdauer: Diese beträgt bei der Häsin etwa 40 Tage, ihre Jungen sind Nestflüchter, sie sind bereits behaart und mit ausgeprägtem Seh- und Gehörsinn ausgestattet.
  • Bei Kaninchen ist die Tragezeit mit 30 Tagen kürzer, die Jungen sind Nesthocker, sie sind noch blind und taub, sehr empfindlich und auf Hilfe angewiesen.
  • Sozialverhalten: Der Hase lebt außerhalb der Paarungszeit als Einzelgänger. Kaninchen sind Gruppentiere und leben in Kolonien, sie benötigen den Gruppenanschluss, außerdem bauen sie ausgedehnte Höhlensysteme.
  • Hasen stehen unter Naturschutz, sie dürfen nicht als Haustiere gehalten werden, d.h., immer wenn von Hasen gesprochen wird handelt es sich mit Sicherheit um Kaninchen.

Zur Geschichte der Kaninchenhaltung

In griechischen Berichten, unter anderem auch bei Platon und in römischen Ausführungen wird bereits über das Kaninchen berichtet. Es sind vor Allem ihre Fruchtbarkeit, ihre rasche zahlenmäßige Ausbreitung und ihr ausgedehnter Tunnelbau, die Aufmerksamkeit erregten. Diese Tiere gehörten seit alters her zu dem jagdbaren Wild. Ihre Fellfarben beschreiben Autoren mit weiß, schwarz, grau und gescheckt, die Tiere gelten als genügsam und fressen vor allem Gras und Klee.

Die Kaninchenzucht begann um 1800 in Frankreich. Im Deutsch/Französischen Krieg 1870/1871 lernten die Deutschen Soldaten die in Frankreich üblichen Kaninchenställe kennen. In der Folgezeit wurden auch in Deutschland Kaninchen planmäßig gezüchtet, ihr Fleisch und ihr Fell wurden zu einem begehrten Produkt.

Die Kaninchenhaltung war auch bei beengten Platzverhältnissen möglich und so wurde dieses Tier insbesondere in den Industriegebieten an der Ruhr und in Sachsen zum Fleischlieferanten des „Kleinen Mannes“. Zu Beginn der 50/60er Jahre des 19. Jahrhunderts fand man in vielen Siedlungen noch Kaninchenställe.

Mit Verbesserung der Versorgungslage wurden diese Kaninchenställe abgerissen und sie machten Platz für Garagen.

In den heutigen Haushalten dürfte die Haltung von Kaninchen, aus kulinarischen Gründen die Ausnahme sein. Wenn Kaninchen, dann zumeist als Spielgefährten für die Kinder. Entsprechend findet der interessierte Zeitgenosse in den Zoohandlungen zumeist wuschelige Fellknäuel mit langen Ohren, kurzum, Zwergkaninchen sind heute der Renner.

Der Kaninchenstall

Das Angebot von Kaninchenställen ist riesig und leider auch sehr unübersichtlich. Inzwischen gibt es zahlreiche Webseiten, mit der man einen richtigen und artgerechten Kaninchenstall finden kann. Dennoch an dieser Stelle der Versuch, eine Struktur zu entwickeln:

  • Kaninchenstall – einstöckig
  • Kaninchenstall – doppelstöckig
  • Kaninchenstall – XXL
  • Kaninchengehege
  • Kaninchenstall – auf eine neue Art

Der einstöckige Stall

Diese Stall-Art lässt sich als kommodenähnlich beschreiben. Die Länge beträgt zwischen 60 cm bis zu 130 cm, die Breite (Tiefe) ist zwischen 50 cm bis zu 70 cm und die Höhe zwischen 50 cm bis zu 70 cm, die Höhe der Standfüße bestimmt die Gesamthöhe des Stalls.

Die Käfigfront ist meist ein stabiles Drahtgitter, daneben ist eine Tür, die sich sichern lässt. Der Boden, sowie die Wände und die Dachabdeckung sind aus stabilem Holz, teilweise Leim-Holz aber auch massives Holz. Auf dem Holzboden steht eine flache Urinwanne aus Kunststoff oder Metall, deren Rand sollte so hoch gebogen sein, dass sie sich gut mit Spreu füllen lässt. Einstreu und Heu sollten in der Box bleiben und nicht durchs Drahtgitter nach außen fallen. Idealer Weise sind in dem Stall zwei Kuschelecken oder Kuschelboxen angebracht, zumeist hinter der Tür.

Ein weiterer Pluspunkt für den Käfig wäre, wenn sich das Dach aufklappen ließe und so die Reinigung und Versorgung erleichtert würde. Bei vielen Modellen kann die Urinwanne herausgezogen werden und vereinfacht so die Reinigung. Dieser Käfig ist wuchtig und kann in der Wohnung aufgestellt werden, aber auch auf einem Balkon oder auf der Terrasse oder gar im Garten.

Der doppelstöckige Stall

Maße wie bei dem einstöckigen Modell, aber durch die 2 Etagen erhalten die Kaninchen fast doppelt so viel Platz und damit mehr Auslauf. Ideal und fast unverzichtbar ist eine ausziehbare Kot-Wanne, eventuell lässt sich auch eine Kaninchentoilette anlegen.

Mehrere Türen, vorhandene Kuschelecken (ausgepolsterte Schlafkabinen) und ein aufklappbares Dach geben ein insgesamt positives Bild.

Der XXL-Stall

Diese Ställe haben mindestens 2 Etagen und oftmals einen Auslauf auf ein Rasenstück. Die Grundgröße der XXL-Ställe reicht von 80 cm bis zu 200 cm. Auf m² berechnet ist das eine Fläche von 1,5 m² bis zu 4 m², die der Käfig abdeckt.

Es bestehen Rampen zum oberen Stockwerk und zum Rasenauslauf, aber Vorsicht, Kaninchen buddeln intensiv und das Freigehege muss auch nach unten abgesichert sein.

Sollte der XXL-Stall draußen stehen ist eine entsprechende Kälteisolierung angesagt. Der Käfig muss entsprechend verankert sein und die Gitter und der Volieren-Draht muss eine entsprechende Qualität haben. Es ist zu beachten, dass die Tiere vor Mardern und Ratten geschützt werden müssen, sie können nicht fliehen.

Bei dieser Größe nimmt die kontinuierliche Reinigung mehr Zeit in Anspruch und alle Winkel und Ecken des Stalles sollten leicht erreichbar sein. Es sollte ausziehbare Kot-Wannen geben und die Türen müssen entsprechend angelegt sein.

Kaninchengehege

Kaninchengehege oder auch Freilaufgehege unterscheiden sich grundsätzlich von einem Stall. Oftmals sind es Drahtgestelle die im Sommer auf einer Wiese ausgestellt werden und dem Tier etwas Auslauf ermöglichen, eine Abwechslung vom Stall.

Wenn Platz und Möglichkeiten gegeben sind kann eventuell ein alter Schuppen zu einem Gehege umgewandelt werden. Eine andere Möglichkeit ist der Bau einer Voliere, eventuell kombiniert mit einem Stall. Bei einem derartigen Stall haben die Tiere wirklich Platz, sie können beobachtet werden und der Eigner kann die Voliere betreten. Die Herausforderung besteht darin so ein Bauwerk wirklich winterfest zu machen und den Tieren einen adäquaten Schutz gegen Marder, Füchsen oder anderen Wildtieren zu bieten.

Eine neue Art Kaninchenkäfig

Abgesehen von den schon beschriebenen Käfigen für Wohnräume besteht vielleicht die Möglichkeit, eine Holzplatte als Basis zu nehmen (ein oder zwei m²) und um die Platte herum Scheiben aus Kunststoff (Acryl) anzubringen. Ein Element wird mit Scharnieren ausgestattet und dient als Tür. Kein Kaninchen kommt über eine Höhe vom mehr als einem Meter, somit kann auf eine Abdeckung verzichtet werden. Der Innenraum wird mit Unterschlupfmöglichkeiten und Streu sowie einer Kaninchentoilette ausgestattet. Damit verfügen die Tiere über ausreichend Platz und nehmen am Familienleben teil. Unter Aufsicht wäre dann sogar ein Freilauf in der Wohnung möglich.

Resümee

Das Verhalten der Menschen gegenüber den Tieren hat sich im Zeitablauf verändert. Die Tiere werden nicht mehr als Objekt betrachtet, sie sind zum Subjekt geworden. Immer mehr Menschen werden Vegetarier oder gar Veganer. Dieses geänderte Tierverständnis hat Auswirkungen auf die Tierhaltung und auf gesellschaftlich akzeptierte Verhaltensweisen. Das trifft auch auf Kaninchen zu. Die Tierhalter brauchen die Funktion des Stalles, möchten den fast immer engen Stall aber gerne vermeiden. Der dunkle Schrank, das Gitter und dahinter das „Stupsgesicht“, vielleicht ist es Zeit für neue Materialien und andere Ausführungen, Zeit für wirklich kreative Kaninchenstall-Entwickler.

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